Volkssternwarte Langwedel e. V. und Dark Sky Nord – Bremen und Umzu – 2022-09-24

11. Oktober 2022 by Karin

Sternwarten haben es nicht leicht.

Sternwarten und der Wunsch der AmateurastronomInnen den Wert des Weltkulturerbes den Menschen zu vermitteln, werden oft als ‘Hobby’ betrachtet.

Dann wird die Lichtverschmutzung – ALAN (artificial light at night) – oft ‘nur’ als eine störende Randerscheinung und als ein ‘Hobbyproblem’ gesehen.

Sternwarten haben es wie gesagt nicht leicht. Auch die Volkssternwarte in Langwedel nicht.

Aber sie können etwas unternehmen: sie können die Bevölkerung umfassend informieren.

Das geschah am 24. September 2022, ein Sonnabend, in Daverden im wunderschönen Küsterhaus.

Die Volkssternwarte Langwedel e. V. zusammen mit der Dark Sky Nord – Bremen und Umzu lud die Bürgerinnen und Bürger zu einem Informationstag zum Thema Lichtverschmutzung ein.

Mario Sonka, Andreas Kaczmarek und viele fleißige Herlfer der Volkssternwarte bereiteten diesen Tag vor. Karin Dörpmund, Referentin, führte die ZuhörerInnen und ZuschauerInnen in zwei Präsentationen in die Welt der Lichtverschmutzung ein. Der erste Vortrag richtete sich an Jugendliche, der zweite an Erwachsene und Entscheidungsträger.

Der britische Fotograf, Jeremy Knowles, z. Z. lebt er in Berlin, dokumentierte den Informationstag. Sein Projekt hat zum Ziel, die Akteure, die die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich ALAN vorantreiben, in ihrer Arbeit fotografisch als Zeitdokument festzuhalten.

Werbeplakat der Sternwarte Langwedel e. V.

Viele Themen wurden präsentiert:

Was ist Licht? – Die Geschichte der nächtlichen Beleuchtung – Der Einfluss auf die Biodiversität (Insekten, Vögel, Säugetiere, Bäume) – Sicherheit und die bestehende Gesetzeslage – Beleuchtungsbeispiele – die Resourcen- und Energiebilanz – Gesundheit.

Und viele Fragen wurden aufgeworfen und Gedanken diskutiert:

Können wir etwas unternehmen, wenn der Nachbar mich mit seiner nächtlichen Beleuchtung stört? – Warum ist das Thema noch nicht bis zu den Entscheidungsträgern durchgedrungen? – Wieso wird auf der politischen Ebene außer in Zeiten der Energiekrise über das Abschalten der nächtlichen Beleuchtung nachgedacht, aber nicht aus Gründen der Nachhaltigkeit, sondern nur der Energieeffizienz wegen? – Wie können Entscheidungsträger von firmenunabhängigen Beratern entsprechend der jeweiligen Beleuchtungsnotwendigkeiten beraten werden? – Warum wird behauptet, dass bestimmte DIN-Normen bindend seien? – Die Verflechtungen in der Tier- und Pflanzenwelt und natürlich auch die Auswirkungen auf den Menschen waren noch nicht bekannt. – Das Thema Licht und Spektren waren für viele TeilnehmerInnen wenig bekannt.

Eine entscheidende Frage stellte sich natürlich für die Volkssternwarte selbst:

Wie kann die Vermittlung des Wissens um unser Weltkulturerbe stattfinden, wenn die künstliche Beleuchtung in der eigenen Region ständig zunimmt und die Erkenntnis, dass Lichtverschmutzung diese wertvolle Arbeit massiv einschränkt, noch nicht im Bewusstsein angekommen ist? Wie diplomatisch sollten wir vorgehen, aber auch: wie können wir deutlich machen, dass ALAN kein nebensächliches Problem ist? Das bezieht sich auf die schlecht abgeschirmte Beleuchtung von Fußwegen auf dem Gelände zu den Teleskopkuppeln, aber gerade auch auf sog ‘worst cases’. Als Beispiel diente das Auslieferungslager von Amazon. Auf der Rückfahrt nach Bremen konnten wir, Mario und Karin, uns über die Lichtflut, die nachts weit über das Firmengelände hinausscheint, selbst überzeugen. Und es stellten sich unwiderbringlich die Fragen: Welchem Zweck soll diese Flutlichtanlage dienen? Finden Aspekte der adäquaten, d. h. situationsangepassten Beleuchtung bereits in den Baugenehmigungsverfahren Beachtung? Und vor allem: Welche Mittel stehen uns zur Verfügung, Amazon zu veranlassen, die Beleuchtung zu reduzieren?

Resümee:

Neugierde macht mutig. Wie funktioniert das Spektrometer? Was ist Ra? Was ist Farbtemperatur? Was ist Lux?

Ein weiterer Tag in einem gut gefüllten Raum bei Kaffee und Kuchen an dem sehr interessierte Menschen an ein, wie Mario, Andreas und ich wieder bemerkten, unbekanntes und unterschätztes Umweltproblem herangeführt wurden.

Ein weiterer Tag an dem Fragen aufgeworfen wurden, auf die uns die Politik und die Entscheidungsträger (noch) keine Antworten geben können.

Und ein weiterer Tag an dem das Engagement sich für die natürliche Nacht als unser wertvolles Gut und Weltkulturerbe einzusetzen, gerade auch bei den jüngeren TeilnehmerInnen Aufmerksamkeit erweckte. Ein Spektrometer in die Hand zu nehmen und selbst an einem LED-Tableau mit 5.000-4.000-3.000-Kelvin und einer amberfarbenen Lampe zu erfahren, was ein Blaupik ist und wieviel Ra und Lux das Leuchtmittel erzeugt, macht die Theorie, die in der Präsentation vermittelt wurde, erfahrbar.    

Impressionen:

Das Spektrogramm verdeutlicht das Gesagte

Jeremy Knowles Feedback auf LinkedIn und auf seiner Homepage

A couple of weekends back, I attended a community meeting in Langwedel (just east of Bremen) organised by Dark Sky Nord – a small group of individuals working in their free time to inform people about the effects of artificial light at night. The aims of the meeting were simple: to educate the community in Langwedel about light pollution and spark debate.

One of my key research tasks over the summer was to find areas of the country that are at the forefront of light pollution discourse, campaigns and activism. I wanted to find the places that are struggling for change and, early on in my search, Dark Sky Nord appeared as a group I should be in contact with. I was told that the few members of Dark Sky Nord tirelessly fight local municipalities in Bremen and surrounding towns for light pollution in Germany to be taken seriously.

Karin Cornelia Dörpmund is one of the founding members and she knows how to engage a crowd. Several times during her presentation, exclamations of “oh Gott” and “nein” could be heard coming from attendees as they learned for the first time about the serious effects of light pollution on the environment, local wildlife, and on human health and wellbeing. Meetings like this play a vital role in getting the message across, if only to inform a group of people who might not have otherwise been exposed to the concept of light pollution.

I’m completely honoured to have been invited as a guest member of Dark Sky Nord. You can keep up to date with future workshops, meetings and presentations.

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