Blog

( / English version, see below)

Willkommen auf der dunklen Seite der Nacht

Halten Sie Ihre Ideen und Vorstellungen über die natürliche Dunkelheit und die Schönheit der Nacht fest.

Packen Sie sie in emotionale, tiefsinnige, originelle, heitere und/oder dramatische MicroAmberFiction!

Warum MicroAmberFiction?

Micro: Wir haben uns für unseren ersten literarischen Wettbewerb Kurzgeschichten vorgestellt.

Amber: Die Dark Sky Nord wünscht, das Thema ALAN – artificial light at night – oder auch Lichtverschmutzung weiter in das Blickfeld zu rücken (lesen Sie sich bitte auf unserer Homepage kreuz und quer durch die Artikel und gehen Sie auch zu den Partnerseiten). Dazu gehört für uns die ‘Lichtfarbe’ Amber, die wir mit einer Farbtemperatur mit ca 2.200 Kelvin verorten.

Die Texte sollen dementsprechend max. 2.200 Zeichen (ohne Leerzeichen) lang sein.

Fiction: ALAN wird sofort mit Biodiversität, Technologie, Gesundheit etc, also mit naturwissenschaftlichen Themen in Verbindung gebracht. Doch das Verständnis für unser Weltkulturerbe ‘natürlich dunkler Nachthimmel’ wollen wir jetzt auch über Geschichten vermitteln.

Und dafür brauchen wir Ihre Kreativität.

Was ist ALAN genau?

ALAN oder auch Lichtverschmutzung ist ein noch unterschätztes Phänomen unserer so genannten 24/7 Gesellschaft, die die Nacht zum Tag macht: Carpe Noctem.

Nur sehr langsam werden wir uns der Auswirkungen z. B. auf die Gesundheit, die Biodiversität, den Energieverbrauch, das Weltkulturerbe bewusst. Durch die ‘Energiekrise’ ist die künstliche Beleuchtung in der Nacht sozusagen über Nacht zu einem Thema geworden, das ein Einsparungspotenzial verspricht, aber auch mit dem Verzichtsnarrativ eng gekoppelt ist.

Die natürliche Dunkelheit ist ein Refugium für nachtaktive Lebewesen und der Erholungsraum für die tagaktiven Geschöpfe. Sprechen wir allerdings über die Dunkelheit, dann verbinden wir sie unvermittelt mit Gefahr, Rückständigkeit, Boshaftigkeit (dunkle Gedanken), Kriminalität und Verzweiflung. Schnell ist jemand ‘umnachtet’ oder dumm wie die Nacht. Ereignisse werfen einen dunklen Schatten voraus und passiert uns etwas Unangenehmes, sprechen wir von den Schattenseiten des Lebens.

Und was ist mit der Schönheit der natürlichen Nacht?

Rilke wusste es. Novalis auch.

Keiner spricht von der Dunkelheit am Ende des Tunnels, niemand wagt es, dort hineinzutreten. Keiner schreibt Epen über glorreiche Ritter des dunklen Grals, niemand träumt von Heldentaten zum Schutz der umhüllenden Nacht, der Ruhe und dem Frieden für die Augen und der Seele, dem heilenden Schlaf in der natürlichen Dunkelheit.‘ (s. Blog – fiction: Die beruhigenden Eigenschaften der Dunkelheit)

Wir haben unsere Verbindung zur natürlichen Dunkelheit auch in unserer Sprache verloren.

Und deshalb laden wir Sie ein, der Nacht positive Konnotationen zu schenken und die zweite Tageshälfte in Texten zu ihrer Schönheit zurückzuführen.

Natürlich darf die/der AutorIn kontrastieren, d. h. auch Geschichten mit ‘schweren’ Themen sind erwünscht. Doch vergessen Sie bitte nicht umzudenken.

Was gibt es zu gewinnen?

  1. Der wichtigste Preis: Sie werden als WegbereiterIn ein unterschätztes Thema vielen Menschen näherbringen und betreten ein neues Podium im Bereich Fiction. Durch die Veröffentlichung auf unserer Homepage wird eine breite Leserschaft Ihr Werk kennenlernen. Und auch auf unseren Vorträgen werden wir Ihre Geschichte, Ihre Sicht auf die Schönheit der Nacht den Menschen näherbringen.
  2. Der erste Preis ist eine Sternenführung mit Sabine Frank im Biosphärenreservat Rhön (von der International Dark Sky Association (IDA) anerkannter Sternenpark). Sabine Frank ist Sternenparkkoordinatorin im Biosphärenreservat und eine Verfechterin der natürlichen Dunkelheit. Sie berät überregional Städte, Kommunen und Gemeinden die öffentliche und auch die private Beleuchtung nachhaltig zu gestalten und unterstützt viele Organisationen aus dem Dark Sky Bereich mit ihrer Kompetenz.
  3. Der zweite Preis ist das Buch des Astrofotografen Bernd Pröschold: Reiseziel Sternenhimmel: Die dunkelsten Beobachtungsplätze in Deutschland und Europa. Bernd Pröschold ist einem größeren Publikum durch astronomische Zeitraffervideos bekannt geworden. Er arbeitet mit einer Technik, die unter dem Schlagwort “Holy Grail Timelapse” bekannt wurde. Er ist Mitglied im Fotografennetzwerk TWAN (The World at Night).
  4. Der dritte Preis ist eine Semlos Leselampe, Augenschutz Bernstein Klemmlampe für ein augenschonendes Schreiben und Lesen und einen sich anschließenden gesunden Schlaf.

Rahmenbedingungen

Eingereicht werden kann pro TeilnehmerIn nur ein bisher nicht in einem Printmedium oder digital veröffentlichter Text.  

Zu Ihrem Beitrag senden Sie bitte eine kurze Vita ein (u. a. mit Namen, bisheriger literarischer / künstlerischer Werdegang, Bezug zu den Themen Dunkelheit – Nacht – Astronomie – Webseite etc.), die bei einer Veröffentlichung mit abgedruckt werden kann/soll. Eine anonyme oder die Veröffentlichung unter Pseudonym ist aber auch möglich. Bitte teilen Sie es uns mit.

Zudem senden Sie bitte separat, rein für die interne Verwendung, Ihre Kontaktdaten mit: Name, Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und auch nochmal den Titel Ihres MicroAmberFiction-Beitrags zur besseren Zuordnung und Arbeitserleichterung.

Mit der Teilnahme an dem Wettbewerb versichern die TeilnehmerInnen, dass der eingesandte Beitrag selbst verfasst ist und keine Rechte Dritter verletzt werden. Des Weiteren erklären sich die TeilnehmerInnen damit einverstanden, dass der Textbeitrag (im Ausschnitt oder komplett – zu Werbezwecken) auf der Homepage der Dark Sky Nord – Bremen und Umzu – Initiative für nachhaltige Außenbeleuchtung und andere Medien (z. B. unserem Werbeflyer, Roll-Ups) und auf Vorträgen veröffentlicht wird. Es verbleiben alle Rechte bei den AutorInnen. Der Dark Sky Nord wird lediglich ein nichtexklusives Abdruckrecht (print – Werbeflyer – digital – Homepage) eingeräumt, räumlich und zeitlich unbegrenzt. Die AutorInnen können also weiterhin über den eigenen Text ansonsten frei verfügen.

Ein Anspruch auf ein Honorar besteht nicht.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine Stellungnahmen zu einzelnen Texten geben werden.

  • Die Text-Beiträge bitte ausschließlich als WORD-Dokument elektronisch einsenden – kein PDF
  • 2.200 Zeichen (nicht Wörter, das war leider ein Fehlerteufel in der Kurzfassung) – OHNE Leerzeichen
  • Schriftart: Segoe Ul
  • Schriftgröße: 12 pt
  • Zeilenabstand: 1,5
  • Ohne Zeilen-Nummerierung

Einsendeschluss: 20. April 2023 (Neumond),

E-Mail-Adresse: amber-fiction@darksky-nord.de

Die Bekanntgabe der Gewinner wird am 13. August 2023 erfolgen.

(Zum Thema Amber: Unter 2200 Kelvin ist die Energieeffizienz zur Zeit noch nicht gut. 1700 Kelvin gibt es zwar auch und wäre für äußerst naturnahe Bereiche möglich, trotz schlechter Effizienz, aber allgemein und für Siedlungen sollte man nicht niedriger als 2200 Kelvin gehen.)

MicroAmberFiction – New Competition

Welcome to the Dark Side of the Night

Capture both your ideas and imagination about natural darkness and the beauty of the night.

Wrap them up in emotional, deep, original, light-hearted and/or dramatic MicroAmberFiction!

So, why MicroAmberFiction?

Micro: For our first literary competition, we will focus solely on short stories containing a maximum of 2,200 characters (without spaces).

Amber: Dark Sky Nord aims to bring the issues of ALAN (artificial light at night) and light pollution further into the focus of public attention. Important to the subject of light pollution is the ‘light colour’ amber, which we define with a colour temperature of around 2,200 Kelvin. For more information and articles on light colour and light pollution, please visit our homepage and partner sites!

Fiction: ALAN is often directly associated with scientific topics such as biodiversity, technology, health, etc., but we also understand that stories told through literature play an important role in broadening our understanding of world cultural heritage ‘naturally dark night skies’.

And for that, we need your creativity!

What is ALAN, exactly?

ALAN is a vastly underestimated and misunderstood product of our 24/7 society and only slowly will we become more aware of the increasing effects of this phenomenon on, for example, human health, biodiversity, energy consumption and world heritage. Yet, perhaps the most significant consequence of ALAN is already blindingly clear – over the last century we have come closer than ever before in turning night into day (Carpe Noctem). Interestingly, as a result of our current energy crisis, ALAN has become a major topic-of-interest in the west (seemingly overnight) by representing a cost-saving solution to the problem of mass energy shortages.

Natural darkness offers a refuge to nocturnal animals and a time of rest to others. However, when we talk about darkness, we immediately associate it with danger, backwardness, dark thoughts, crime, and despair. In German, someone can be ‘dumb as the night’. We also describe events as ‘casting a dark shadow’ and, when something unpleasant happens to us, we talk about the ‘dark side of life’.

And what about the beauty of the natural night?

Rilke knew it. Novalis too.

‘No one speaks of the darkness at the end of the tunnel, no one dares to step into it. No one writes epics about glorious knights of the dark grail, no one dreams of feats to protect the enveloping night, the stillness and peace of the eyes and soul, the healing sleep in the natural darkness.’ (see blog – fiction: The Soothing properties of darkness – up till now only the German version is available: Die beruhigenden Eigenschaften der Dunkelheit )

We have lost our connection to natural darkness in our language as well.

And that’s why we invite you to give positive connotations to the night and to return the second half of the day to its beauty in texts.

Of course, the author may use contrast which means that stories with ‘severe’ themes are also welcome. But please don’t forget to rethink.

What is there to win? What about the prize?

  1. The most important prize: As a pioneer in light pollution fiction, you will help bring a fringe topic in environmental concern closer to many people and also help to establish a new podium in the field of fiction. Via our homepage, a broad readership will get to know your work! And in our lectures, we will bring your story – your unique view of the beauty of the night – to the people.
  2. First prize: A star tour experience with Sabine Frank in the Rhön Biosphere Reserve – recognized by the International Dark Sky Association (IDA) as a star park. Sabine is the star park coordinator at the biosphere reserve and an advocate for natural darkness. She advises cities and municipalities nationwide on how to make public and private lighting sustainable and supports many organizations in the Dark Sky area with her expertise.
  3. Second prize: The book Destination starry sky: The darkest observation sites in Germany and Europe by astrophotographer Bernd Pröschold. Bernd became known to a larger audience through astronomical time-lapse videos. He works with a technique that has become known under the catchphrase “Holy Grail Timelapse”. He is a member of the photographer network TWAN (The World at Night).
  4. Third prize: A Semlos reading lamp – an amber reading/writing clamp lamp which promotes healthy sleep by being easy on the eyes.

General Conditions

Only one text may be submitted per participant. This text cannot have been previously published in print or online.

Please send a short CV with your contribution containing, amongst other things, your name, a link to your website, details and dates of your literary/artistic career, and references to the topics of darkness, night, and astronomy in your work. This information may be published with your writing. Anonymous publication or publication under a pseudonym is also possible! Please let us know.

In addition, please send your contact details to usseparately, for internal use: this includes your name, address, e-mail address, telephone number and the title of your MicroAmberFiction contribution! This information helps us greatly.

By participating in this competition, participants ensure that the submitted contribution was written by them and that no rights of third parties are violated. Furthermore, participants agree that the text (in part or in full) may be published on the website of Dark Sky Nord – Bremen and Umzu – Initiative for Sustainable Outdoor Lighting (https://www.darksky-nord.de), as well as in public lectures and distributed media (advertising flyers, roll-ups, etc.). All rights remain with the authors. Dark Sky Nord is only granted a non-exclusive right to distribute texts (in print via advertising flyers and digitally on our homepage). This right is unlimited in terms of space and time. Authors are therefore free to distribute their own text.

There is no entitlement to a fee.

Please understand that we will not comment on individual texts.

  • Text contributions must be sent electronically as a Word document – not PDF
  • 2,200 characters (not words) – NO spaces
  • Font: Segoe Ul
  • Font size: 12 pt
  • Line spacing: 1.5
  • Without line numbering

Deadline: April 20, 2023 (new moon),

Email address: amber-fiction@darksky-nord.de

Winners will be announced on August 13, 2023.

(On the subject of amber: Energy efficiency is currently not good below 2200 Kelvin. 1700 Kelvin also exists and would be possible for extremely natural areas, despite poor efficiency, but in general and for settlements one should not go lower than 2200 Kelvin.)

Foto: Karin Dörpmund – 11.10.2018 in Hamburg

In Zeiten der Energiekrise rückt die Nacht wieder in unseren Fokus. In der Sendung “Die Macht der Nacht” in der Reihe “Twist” auf ARTE begegnen wir allerdings oder endlich (?) der magischen Seite der vergessenen zweiten Tageshälfte.

In dem Beitrag “Die Macht der Nacht” zeigen uns KünstlerInnen die inspirierenden Seiten der Nacht: der Vibraphon-Musiker Pascal Schumacher schickt uns mit seinem Album “Luna” in die Sphären unseres Erdbegleiters, die Lichtkünstlerin Giny Vos und die Performance-Künstlerin Anne Imhof zeigen uns ihre Schöpfungen und die niederländische Schriftstellerin Anna Woltz erzählt von Ihren neuesten Werk Nächte im Tunnel und ihre Sicht auf die Nacht.

Dass fantastische Fotografien in der Nacht entstehen können, zeigt auch der Fotograf Oskar Schlechter in Leipzig mit seiner neuen Fotoserie „Darkless“. Er lässt uns die Schönheit der Nacht durch seine Fotos der Milchstraße erleben, aber verweist auch auf die Lichtverschmutzung, durch die wir uns selbst des atemberaubenden Erlebnisses, das Weltkulturerbe Sternenhimmel, berauben. “Darkless” wird zu einem Plädoyer unseren exzessiven Lichtkonsum zu überdenken und uns für die Magie, die Schönheit und die beruhigenden Eigenschaften der natürlichen Dunkelheit wieder zu entscheiden.  

Santiago de Chile – Sky Costanera – Juli 2018 – Foto: Lutz Dörpmund

Es war weit nach Vierundzwanzig Uhr. Der Lärm von bremsenden Autos und Bussen auf nassem Asphalt, anfahrenden LKWs, von lärmenden Menschen, die aus den Clubs, Theatern und Kinos kamen, ihr Lachen, ihre Schritte, ihr Rufen, krabbelte wie Trolle genauso unbarmherzig wie das künstliche Licht der nicht abgeschirmten Laternenflut der Stadt die Fassade hoch hinauf in die Räume eines Visual-Loft.

Die Lichtinstallationen an den Glaswänden der umliegenden Hochhäuser imitierten abwechselnd Wasserfälle unter einem Regenbogen und Schriftzüge weltumspannender Markendesigner von Skybeamern gezeichnet. Auch Sky Costanera leuchtete dem stellaren Lichtkunstparcour hoch über der Stadt entgegen, bereit es mit ihm aufzunehmen, gewann den ungleichen Zweikampf mit dem Himmel und weichte die astralen Strukturen zu einer pastösen Masse auf. Das Orange der Natriumdampflampen auf den Straßen der Vergangenheit musste schon vor einigen Monaten sein Haupt vor der neuen Leuchtdiodenlichtzeit neigen, löste sich auf und verschwand genau wie der Himmel – spurlos. Die Moderne unterstand jetzt dem Regime der Energieeffizienz, der großen Hure Rebound. Ganz Santiago, wie alle Großstädte der Welt, stand im Skyglowverbund der planetaren illuminierten Netzwerke und sog alles um sich herum unbarmherzig in den Lichtsmog ein.

Die Lichtfluter in Seths Visual-Loft ließen die Wände in Blau- und Rottönen erzittern. Die Fotografien von glänzenden Orten und glänzenden Menschen wurden von violetten Leuchtstreifen umrahmt. Auf dem Flur, im Bad und im Schlafzimmer waren es Grün-, Orange- und Gelbtöne, durch dezent versteckte Bodenstrahler präzis an die Decke projiziert, die sich selbstbewusst der Kakophonie des eindringenden Lichtspektakels der Stadt entgegenstellten, um zu dominieren.

Hier residierte Seth, der Farbwechsler, das Chamäleon der Moderne.

Auf dem tageslichthellen Schreibtisch mit der beleuchteten Glasplatte arbeitete sein Laptop in Royal Blue blinkend und zur Eile mahnend, sein Termingeber, sein Taktgeber, nie im Jetzt, schon gar nicht im Gestern, nur auf das Morgen ausgerichtet. Seth hetzte auf das Morgen zu, bemüht Schritt zu halten. Die erste Runde war geschafft. Jeder einzelne seiner Finger trottete von der beleuchteten Tastatur. Auf dem Display prankte der Beginn eines neuen Textes. Seth schloß kurz die Augen, nur um mit ihnen nach innen fokussiert durchdringender die ersten Zeilen Wort für Wort wie einen Braten mit einem Elektromesser zu tranchieren.

‚Dann wieder Morgen. Und Morgen. Wie sich die Tage erstreckten. Jeder derselbe wie der vorherige, und sie würden dies nervtötend bis zum Ende all meiner Tage tun. Und jeder Tag, an dem ich so lebte, war auch der letzte Tag im Leben eines anderen Narren, der auf der Tagseite bis tief in die helle Nacht, die ihre Seele verloren hatte, durch Blendung erblindet seine Runden zog, unaufhaltsam, ohne Unterbrechung, vorwärts, auf das Licht am Ende des Tunnels hinhetzte, ohne den Frieden in der dunklen Stille der Höhle zu kennen. Jeder Tag zeigte ihm, wie auch mir, das Blitzgewitter der Social Media und auf den in Kaltweiß gefluteten Podien der Welt den Weg zu unserem Sterbebett. Aus, aus, flackernde Flamme! Segne mich mit Frieden. Das Leben ist nur noch ein wandelnder Schatten, Abfall des gleisenden Lichts Zivilisation und Fortschritt genannt, geblendet wie ein armer Schauspieler, der in einer Stunde auf der Bühne alle Emotionen durchläuft und sich dann des Augenlichts beraubt verbeugt. Dies ist die Geschichte, die von einem Idioten erzählt wird, voller Lux, Lumen, Lärm und Leidenschaft, aber letztendlich vollkommen bedeutungslos ist.‘

Das war der schwierigste Teil, der Anfang. Dann kamen die biografischen Züge. Fiktiver Realismus. Es floss aus seinen Fingern, die ihm nicht mehr gehörten. Sie waren abgekoppelt von seinen Händen mit einer elektrischen Verbindung zu den, einem Leuchtfeuer gleichenden Synapsen in seinem Kopf, über die er keine Kontrolle hatte, wenn er schrieb. Der Laser, mit dem er seinen Text wieder und wieder zerstückeln würde, bis es passend war, lag bereit. Töte das, was du liebst mit dem Laserschwert.

Es würde wieder ein Riesenerfolg werden, wie bereits seine anderen Romane. Ein neuer Klassiker. Auf jedem Laptop, in jeder Cloud, und, Ja, doch, auch noch auf jedem Regalbrett der Welt zu finden. Ein Bestseller, der sechste, und das mit gerade fünfundzwanzig, und das in gerade mal vier Jahren. Vorlage für unendlich viele Theaterproduktionen, und so weiter und so fort. Nobelpreisverdächtig, Trends setten, wow, ein Neologismus.

Seth, die Lichtgestalt auf allen Buchmessen und Talk-shows.

Seth war der Mann mit einem knallharten Vertrag im Nacken und einem knallhärterem Griff seines Verlegers im Schritt, der nicht wehtat, solange das Talent sprudelte und das textproduzierende Handwerk gefeilt wurde und somit den Zugriff im Schritt erträglich hielt. Von hinten. Sein Verleger trug immer ein leuchtend weißes Hemd.

Seth, der beste Freund all der schillernden leuchtstarken CEOs, Medienvertreter, und deren Frauen, und deren Geliebte, der brillierenden Frauen sowieso.

Seth, der Mann im luminösen Fokus, der das neue Leuchtdiodenlicht der digitalen Ära in Kaltweiß mit hohem Blauanteil auf sich schütten ließ. Hohe Lichttemperaturen gemessen in Kelvin. Hoher Farbwiedergabeindex ausgedrückt in Ra. Immer sichtbar.

Licht machte göttlich. Gottes Strahlenkranz. Gottes Macht auf Erden.

Licht bedeutete Leben.

Licht verhieß Sicherheit und Schutz.

Licht machte bedeutend.

Licht bedeutete Dynamik und Weisheit.

Oh Ja, oh Licht, lichtvolle Momente.

Licht, das Symbol der Reinheit und der Tugend.

Licht katapultierte die Unwissenden in die Erkenntnis.

Licht hieß Fortschritt, Macht und Geld.

Ungeschriebene Gesetze, schon seit biblischen Zeiten in das Gedächtnis jeder Zivilisation gelasert und seit kurzem im biblischen Ausmaß mit Wachstumspotenzial viral umgesetzt. Jede Zivilisation, die etwas auf sich hielt, erstrahlte im Glanz der elektrifizierten zweiten Tageszeit, weltumspannend, und stahl dem trauernden Mond seine Show, denn die Nacht war gestorben. Dieser Tod ertrahlte jetzt in Kaltweiß und das bis zum Saturn.

‚… die Geschichte … von einem Idioten erzählt … Lux, Lumen, Lärm und Leidenschaft … bedeutungslos.‘

Seth stockte. … die Geschichte … War es eine Geschichte? Was für eine Geschichte? Wenn sie im Dunkeln lag, in der Vergangenheit, konnte er sie dann sehen? Musste er die Geschichte seines Protagonisten aus der Vergangenheit in das Jetzt schieben, um sie zu sehen? Reichte fühlen nicht mehr? Hören nicht mehr? An das Licht bringen, das heißt in die Zukunft projizieren, denn dort ging es hin? Das Licht? Konnte er sie dann sehen? Konnte er dann überhaupt noch sehen? Ohne Kontraste? Sehen? Den Zeitpfeil anhalten, doch dann verlor sie ihre Tiefe, war keine Zeit mehr. Das Jetzt war flach, laut und hell. Zu hell? Es war eine Geschichte mit den Wurzeln im Vergangenem. War das schon Blasphemie? Das war der Ort, an dem alles verschwamm, kaum erkennbar war. Dunkel? Still. Im Nichtwissen seinen Frieden finden? Unsicherheit. Verlorenes Urvertrauen. Unkenntnis. Eine Historie? Nein. Im Präsens, er musste im Präsens schreiben. Niemals still stehen. Das zeigte in die Zukunft. Im Präsens schreiben. … von einem Idioten erzählen … Nein, kein Idiot, oder doch? … Lux, Lumen, Lärm und Leidenschaftbedeutungslos. Er scheute sich, die vier Ls um seinen Protagonisten zu wickeln. Es konnte eine Schlinge werden. L, L, L, L. Dann würde er bedeutungslos. Er? Er selbst?

Seths Augen brannten und begannen zu tränen. Das soft tissue war feucht und konnte das Zwiebelstechen nicht zurückhalten. Beide Augen waren warm. Er kühlte sie mit dem in seinen Händen gedrehten Wodkaglas. Beruhigung. Die Wärme übertrug sich auf den Wodka. Er schmeckte fad. Der Flug aus Singapur war anstrengend gewesen. Eine Woche Promotion, wenig Schlaf. Sein melatoninkonfuser Körper war aus dem Takt geraten, sein physiologischer Cocktail war gegenüber der lichtspeienden vor mehr als hundert Jahren neu erschaffenen zweiten Realität machtlos. Er hatte kaum geschlafen im Flieger. Die ‚Melancholie des Lumen‘ musste angekündigt und vermarktet werden, weltweit und das erforderte Anwesenheit vor Ort und in den Medien, auch vor Ort, im Rampenlicht, das ein Tageslichtspektrum ausspieh, eine Mittagssonne in der Nacht, hoher Blauanteil, erbarmungslos.

Um den Titel gab es Streit. Zu dunkel, zu unzivilisatorisch. Doch der Ort des Auftakts der Promotiontour passte zum Konzept des Lumen. Singapurs vertikaler tropischer Garten in den Superbäumen war der perfekte Austragungsort gewesen, plaziert in der zweiten Tageszeit, die ihre Seele verloren hatte. Sie verlieh dem Wort Lumen die Dimension, die dem 21. Jahrhundert entsprach, global, wie sein Projekt. Schnelles Leben, hohe Lichtintensitäten. Es war hell. Lärm war auch hell. Beides brannte. Er bekam Durst.

Seth ging in die Küche, die so neu und progressiv war, dass er gar nicht wusste, wie er sich einen Tee zubereiten konnte. Die Symbole der Funktionsleisten waren kryptisch, der Kochsensor versprach unterhaltsame Abende auf NetFlix, reagierte aber nicht auf die Anweisungen seines Zeigefingers. Auf den drei OLED-TV-Bildschirmen seines Visual-Loft sah er die Live-Übertragung eines Großkonzertes glamouröser Stars. Er war ausgelaugt und starrte gebannt auf die Leuchtfeuer des Erfolgs, Lichterketten gleich.

In einem Eckschrank fand er schließlich einen analogen Wasserkocher, Teebeutel, nahm eine Tasse mit dem fluoreszierenden Namenszug seines letzten Bestsellers, goß heißes Wasser auf den Teebeutel, Wasserdampf stieg auf, der Zucker knackte wie früher, der Namenszug leuchtete auf, prallte auf seine Retina, dann wurde es schlagartig dunkel.

Seth ließ die Tasse schlagartig fallen.

Das heiße Wasser spritzte vom Boden hoch, spritzte auf seine nackten Füße. Dieser Schmerz war der Schreck Nummer zwei.

Seth ging zwei Schritte rückwärts. Er riss die Augen auf.

Aber er sah nichts.

Absolut nichts.

Etwas drehte sich ins Gegenteil.

Ich sehe absolut nichts.

Hinter mir, ein Schrank. Ein Gegenstand, in den ich andere Gegenstände wie Tassen, Teller, Töpfe stellen kann. Ich erinnere mich. Ich kann die Gegenstände sortiert hineinstellen. Auch übereinander. Wenn ich die Tür öffne, da, der Handgriff, polierter Edelstahl?, ich rieche Orangenputzmittel. Ich bin froh, dass er da ist. Ich erkenne ihn, kann mich an ihn anlehnen. Seine Oberfläche ist kalt und glatt. Meine Hände, sie zittern, da, nach links. Dort ist eine Leere. Oh, mein Gott. Eine Leere. Ich kann mich nicht an die Leere erinnern. Seit wann gibt es dort eine Leere? Ist diese Leere schon immer dort gewesen? Nach rechts gibt es etwas. Es geht mir bis zur Taille. Eine flache, glatte Ebene. Glas? Es ist auch kalt. Alles hier ist kalt. Es könnte ein scharfes Steakmesser dort liegen. Ich könnte mich schneiden und bluten, verbluten? Ich habe nichts gebraten. Wie gut, dass ich es nicht kann. Also gibt es keine Bratpfanne und kein Messer. Dieses Möbelstück ist auch ein Schrank, aber mit einer Glasplatte darauf. Ja, stimmt. Das Induktionskochfeld. Erleichterung, das ist neu, auf meiner kalten Haut aus Angst. Irgendwo muss eine Wand und eine Tür sein und ein Lichtschalter. Nein, es gibt keinen Lichtschalter. Luna sprach von Bewegungsmeldern, daran erinnere ich mich, und einem zentralen Port der Visual-Effekt-Schnittstelle irgendwo im Eingangsbereich. Ich kann mich nicht erinnern. Wo ist das? Aber ich habe es doch gesehen. Luna zeigte es mir. Bei Tageslicht, jedenfalls schaltetet sie das Licht an. Coole LED-Spots. Ich erinnere mich nicht mehr. Überhaupt nicht. Nichts. Verdammt. So ohne Licht. So ohne Leben.

Hier, immer an der Wand entlang. Dafür sind meine Arme da, meine Hände.

Sie sind neugierig. Das ist mir neu. Gierig? Das geht doch gar nicht. Doch, sie sind es. Meine Finger, alle zehn, kleine Detektoren, die Haut hat Öffnungen. Warm, kalt, kantig, weich, rund. Welt. Haut unter meinen Füßen. Die Oberfläche des Bodens, so unbekannt. Stehenbleiben, Bein anheben, lass die Zehenspitzen über den Boden streicheln. Kann er aus Holz sein? Nein, es muss Laminat sein, oder? Kacheln kenne ich. Das würde ich sofort wissen. Die sind kalt, wie Licht. Meine Augen brennen immer noch. Diese Tränen in den Augen. Es sind nicht nur beißende Zwiebelstiche. Da ist etwas anderes in ihnen. Ich will das alles nicht. So soll das nicht sein. Dann dieses warme salzige Wasser. Es läuft und läuft. Ich will nicht blinzeln. Mehr Tränen. Mehr Blinzeln. Wieso schreien Blinde nicht den ganzen Tag? Endlich, der Türrahmen, fühlt sich immer noch wie ein Türrahmen an. Rechter Winkel, Ecken. Meine zehn Dektektoren erkennen den Türrahmen, aber etwas hat mich gestochen. Er ist aus Holz, Ja, aus Holz. Die Tür. Punkte schimmern durch die Tränen. Punkte. Tränen. Los, wische sie rigoros mit dem Hemdsärmel weg. Verdammt saugfähig das Versace Medusa Button Hemd. Die Punkte? Sie werden klarer. Sie müssen sehen. Sie werden Sehorgane genannt. Also sollen sie sehen, so wie sie es den ganzen langen Tag getan haben. Zwanzig Stunden und all die anderen Tage und Stunden davor. Sie sollen sehen. Sehen.

Punkte, wieder. Mehr? Hier und da, dann auch hier und da einige mehr. Es gibt punktuelle Lichtquellen, schwach, einige flackern, andere gehen wieder aus. Glühwürmchen. Die armen. Ich würde keine Glühwürmchendame sehen. Da sind überall Punkte. Meine Handinnenflächen sollen meine Augen schützen. Die Haut meiner Hände berührt meine Augenlider wie warmer Käse. Die Haut ist warm. Sie hat ein Aroma unter dem Gestank von Alkohol. Wie war das noch mit Zimt? Zimt! Zimt! Er hat auch einen Geruch. Verdammt, ich wusste es, aber wie war das?

Ich atme zu flach. Ich traue mich nicht, tief zu atmen. Ich sollte meine Hände herunternehmen, die Schutzfunktion. Die Punkte variieren, verschieben ihr Kommen und Gehen, aber sie bleiben nicht an ihrem Ort. Unstete Lichter. Die meisten erlöschen. Dunkle Flächen, schwarze Konturen. Angst. Sie befindet sich vor allem im Po. Es kriecht von der Rosette zwischen die Beine durch, auf der rötlichen Haut entlang bis in die gekräuselten Haare um meine Hoden herum. Ich kneife ja die Knie zusammen. Ich schäme mich so. Mir ist kalt.

Hier muss mein Wohnraum sein. Er hat keine Dimensionen mehr. Wo sind sie hin? Er muss bodenlos sein, unendlich tief, mit dunklen Wesen aus meinen Kindertagen, die nur auf diesen Moment gewartet haben, um über mich mit spitzen Zähnen und kreischenden Stimmen nach Moder und Leichen stinkend herzufallen, mich zu zerfleischen. Meine erschöpften Augen kennen keine Kontrolle mehr, ist ihnen entzogen worden. Schatten. Etwas bewegt sich, muss sich bewegen und lauern, etwas Hinterwäldlerisches, das zurückgeblieben ist, den Anschluss verpasst hat, über das gelacht werden kann. So was von Damals. Das ist doch Dunkelheit. Unheimlich. Die vielen Kindermärchen. Dann kommen die Untoten und fressen dich und mich und Trolle kreischen und Darth Vader ruft: ‚Ich bin dein Vater.‘ Und all das ist gefährlich, kommt aus dem rauchigen Reich der Finsternis. Das ist der Ort von Vergewaltigungen, immer im dunklen Park. Dort irgendwo verbirgt sich Leid und Verzweiflung. So ist das doch in den Geschichten von Platon über Shelley bis Lucas und Styron.

Meine Füße, sie bewegen mich, sie nehmen mich mit bis zu dem bodentiefen Fenster. Ich weiß es. Meine Hände sind wie blinde Kätzchen. Das ist Glas, ich spüre es, die glatte Oberfläche, jetzt farblos, als ob sie leblos sei. Irgendwie kalt, bissig kühl. An den Wänden gab es doch das fließende Spiel der Farben, dieses algorhythmische Wellenmuster. Es ist verschwunden. Ich kann mir nicht vorstellen, wo es hingeflossen sein mag. Die fehlenden Fließbewegungen der Farben haben die Zeit angehalten. Sie steht. Die flackernde Flamme ist erloschen. Wo ist der wandelnde Schatten?

Es rumort in meinen Eingeweiden. Ein Krabbeln in meiner Speiseröhre. Bloß nicht übergeben. Ich rieche naß und süßlich, widerlich. Da ist ein neues Geräusch, mein Atem, viel zu laut für die Dunkelheit, unpassendes Geräusch für … dunkel, fast schwarz, für … Atem. Ich schließe besser wieder die Augen, tupfe sie mit dem Hemdsärmel ab. Los, mach sie auf und … sie sind nicht gestorben. Sie leben doch noch, ermattet aber lebend, die Augäpfel bewegen sich, fühlen sich rauh an, immer noch warm. Keine Punkte mehr, Flächen in grau und graugrau, mehr grau, weniger grau. Konturen, ich nehme Konturen wahr, aber kann ich mit ihnen hören? Es rauscht in meinen Ohren. Das Rauschen. Ist das Stille? Im Boden knackt es. Es ist das Holz, das sich zusammenzieht. Das ist der Holzfußboden, es knackt, und ich höre, wo.

Das ist ein Fenster, aus Glas gefertigt, glatt und durchsichtig. Kühle Glasoberfläche, schau über die Fingerspitzen hinweg. Trau dich. Zittern auf dem Bauch. Grautöne, dunkelgraue Flächen, schwarze Bereiche, in die etwas hineinfällt. Es ist mein Blick, der fällt. Er schwebt bedächtig wie ein Faultier über die Konturen und Flächen hinweg, ohne Schmerz. Ohne Schmerz.

Blinzel, los. Das ist … ein Fahrrad an einen Müllcontainer gelehnt. Das Vorderrad kippt zur Seite. Es ist verbeult. Roter Lack? Streetphotography in black and white. Silhoutten auf dem nassen Asphalt. Die Zeit steht still in schwarz und weiß, doch die Geschichte des Fahrrads ist deutlich. Es hat Charakter. Menschen, kann sie unterscheiden, Frauen, Männer, alt, sogar alt. Da sind spiegelnde Flächen, Fenster, hinter denen sich Menschen bewegen und einfach nur stehen, ihren Blick, wie meiner, durch das Glas nach draußen gewand, neugierig schauend, entdeckend, staunend. Gierig? Auf was?

20190315 Mond-Mosaik aus 10 Einzelbildern – Lutz Dörpmund

Der Mond. Sonst nichts. Die zweite Tageshälfte, Reinform, die Unbekannte. Sie sagt: ‚Es gibt mich noch.‘ Die Wärme in meinen Augen lässt nach. Entspannung auf meinem Bauch. Meine Hand verlässt das Fenster, legt sich auf meinen Bauch, den weichen, meine Augen trauen sich. Sie öffnen sich weiter.

Im Haus gegenüber ist eine junge Frau, blondes Haar wahrscheinlich, mit einem Kind auf dem Arm, das wohl geweint hat. Sie küsst es immer wieder auf die Wangen und wischt etwas von ihnen weg. Meine Hand wischt die kribbelnden Reste von meinen Wangen weg. Weinen, wie schön. Sie zeigt immer wieder mit ausgestreckter Hand nach oben hinauf. Sie will es beruhigen. Ich folge den Gesten der Mutter. Sie weiß, was sie tut. Sie will beruhigen. Ich sehe es. Ich staune. Ich atme tief ein. Ich erinnere mich: der Mond, heute nur eine kleine Sichel. Jetzt sehe ich es auch. Und dann ist da ein Band, unregelmäßig, dunkel verstreut, wie Wolken, wie Tiere, wie ein Vicuña. Es scheint zu knien und aus einer Quelle zu trinken. Wie verwirrend. Ich sehe eine Schlange. La Yakana, Machawei, meine Großmutter Rayen. Da sind ihre Geschichten wieder, die von den dunklen Wolken, die Geschichten erzählen. Es ist wie ein Gemälde. Rayen und Vincent. Sie kannten sie also beide, die anthrazitfarbene Ästhetikerin. Ihre Geschichten, seine Gemälde. Andere Welten, ein Himmel. Der Segen der Dunkelheit. Und es gibt Lichtpunkte. So viele. So viele. Vier der Punkte, sehen aus wie der Drache, den ich als Junge am Strand in Taltal aufsteigen ließ. Da ist er wieder. War vom Strand direkt in den Himmel geflogen. Ist das Frieden? Es ist doch alles dunkel. Schön. Und neu. Und es gehört zusammen, polarisiert nicht. Wisch dir die Feuchtigkeit von den Wangen, Seth. Carpe Noctem. Jetzt anders. Jetzt richtig. Der richtige Pfad, er öffnet sich vor meinen Augen.

Dreh dich, zu deinem, zu meinem Raum. Das sind die Konturen von Möbeln, der OLED-TVs, die schlafen. Ich bewege mich mal auf die Couch zu. Da ist eine Welle vor mir, die mir tastend wie mit einem Blindenhund, den Weg weist. Er wackelt mit dem Schwanz, ich mag sein seidenweiches Fell und die nasse Nase. Ja, eine Decke und Kissen. Ich habe sie nie bemerkt. Der Holzfußboden muss auch neu sein. Das Fenster ist wirklich groß. Hier ist jetzt mein Platz, im Schneidersitz direkt an der Glasfläche, die Decke umhüllt meinen Körper. Ich bin die Füllung einer Empanada, die Decke der Teigmantel, die Kissen sind Pastel de Choclo. Wow.

Keiner spricht von der Dunkelheit am Ende des Tunnels, niemand wagt es, dort hineinzutreten. Keiner schreibt Epen über glorreiche Ritter des dunklen Grals, niemand träumt von Heldentaten zum Schutz der umhüllenden Nacht, der Ruhe und dem Frieden für die Augen und der Seele, dem heilenden Schlaf in der natürlichen Dunkelheit. Der Tag gehört den Blinden, den Sehenden die Nacht. Mit den Ohren sehen, den Händen, der Haut, die Augen unterstützen, nicht die volle Bürde auferlegen. Falsch vestandene Autonomie. Stattdessen immer nur Carpe Noctem. Carpe Lucem. Erblindet mit geschlossenen Augen, die überflutet sind. Ich? Ich.

Die Frau mit dem Kind auf dem Arm, Ja, sie muss blond sein. Sie trägt eine Bluse mit Blümchen? Ja, es sind Blümchen. Wie in der Atacama nach einem Regenguss. Ah, wie die Wüste duften kann, wie Mango, Nein, ich bin verrückt. Nach Mango geht nicht, aber wie Honig, Ja, Honig und Zimt und Kardamom. Dieses wahnsinnige Rosa und erst das Rot der Kaktusblüten, diese weichen Blütenblätter wie Samt. Genau wie ihre Haut, Rayens Haut, wenn sie morgens aufgestanden war. Die Zartheit der Nacht auf ihrer Haut. Dann gab es Kakao und diese Schokokekse, mit dem Namen eines Mondes, Triton. 

Die Frau geht noch eine ganze Weile mit dem Kind vor dem Fenster auf und ab. Es lacht, zieht ihr in den Haaren, schläft den Kopf an ihre Schulter gelehnt ein. Oh, jemand kommt, nimmt das Fahrrad und schiebt es weg. Ein Polizeiwagen fährt die Straße entlang, jemand steigt aus und spricht eine Gruppe junger Leute an, die johlend auf dem Bürgersteig tanzen. Eine junge Frau sucht ihren Schuh. Sie hat ihn. So ein Mist, der Hacken ist abgebrochen. Sie zieht die Schultern hoch. Ein trotziges Gesicht. Der Gehweg ist uneben. Ein Mann mit dem Smartphone am Ohr stolpert und fällt hin. Ich habe es kommen sehen. Das Smartphone schlägt auf den Pflasterstein und springt unter ein Auto. Der Mann schimpft, steht auf, er kriecht unters Auto. Es sieht lustig aus.

Animita – Santiago de Chile – Juni 2018 – Foto: Karin Dörpmund

Ein älteres Paar geht zu der Animita direkt gegenüber und zündet eine Kerze in einem roten Gefäß an. Die Balance zwischen Hiersein und Nichtmehrsein. Ob es eine Frau oder ein Mann war, der dort starb? Wie viele Tränen küssten wie das auslaufende Wachs die Steine des Gehwegs? Vielleicht gibt es ein verblichenes Foto in der Animita, Plastikblumen, Namen und regenaufgeweichte Teddybären. Da waren mehrere ausgebrannte Kerzenhalter, genau, ich habe es vergessen. Leere Flaschen für die Verstorbenen mit … mit was bloß? … stehen da ziellos herum, geleert und unbeachtet. Wie ist der Name?  

Die Dunkelwolke ‘Vicuña’ – Juli 2018 – Foto: Karin Dörpmund

Auf dem alten Spielplatz mit dem Bauzaun drum herum, steht jemand in einer dicken Jacke. Ich kann nicht mehr erkennen. Ein Mann? oder eine Frau? Wahrscheinlich eine Frau. Doch, ich sehe weibliche Kurven. Erkenne ich sofort. Denke ich. Sie hat ein Stativ aufgebaut mit einer Kamera, die auf das Band mit den Dunkelwolken gerichtet ist. Sie mag wohl Tierfotografie. Es scheint ihr zu gelingen. Sie klatscht in die Hände, dreht wieder an der Kamera, drückt etwas und schaut zusammen mit dem Objektiv, wie zwei Verschwörerinnen, in die Richtung zu dem Himmelsschauspiel. Zwei Wanderer, die mit den Augen zu den Welten dort reisen, wo ganz andere Legenden und Märchen geschrieben werden. Sie kommen aus der Vergangenheit. Ich versuche die Namen der Heldinnen und Philosophen dort oben versteckt um die vielen Sterne herum zu erfinden, damit sie Gesichter und Münder erhalten und uns endlich sagen, wer wir sind und wohin uns unser Weg führt.

Fast kein Mond und so viele Geschichten. Mein Kopf hat einen Fettfleck auf dem Fenster hinterlassen. Das sind viele Meter unter mir bis zum Pflaster des Gehwegs. Es hat ein Rautenmuster. Da ist kein Abgrund in der Dunkelheit. Es liegt Papier herum, zerdrückte Cola-Dosen, ich erkenne Zigarettenkippen, spüre den Geschmack von kaltem Rauch auf meiner Zunge, die abgestandene Süße der Coke, Blubber auf der Zunge, Kitzeln in der Nase, Rayens Lachen. Heute Nacht ist kein einziger Zugvogel an der Glasfassade zerschellt. Keine zerborstenen Leiber mit gebrochenen Flügeln und verdrehtem Hals liegen unten herum. Keine unbeachteten in rot blutende Mahnmale des Lichtzeitalters in Royal Blue auf der Straße.   

Meine Füße sind kalt. Reiben, reiben, sie werden endlich warm. Am Horizont ist ein Schimmer, der sich über die Straße legt. Er erforscht. Jetzt übernimmt er. Jetzt erst ist deine Zeit, Licht. Wir werden zusammen unseren Morgenkaffee trinken. Zeit aufzustehen und aus meiner Empanada herauszutreten.

Autorin: KC Osvici (copyright) – Version: 2022-10-23 – ein Feedback ist erwüscht

Wir engagieren uns seit einiger Zeit im Bereich der Lichtverschmutzung.

Die anstehende Erneuerung der ausgefallenen Straßenlampe (Roggenkampsweg in Bremen) haben wir zum Anlass genommen am 15.10.22 einige Messungen durchzuführen.

Der weltweite LED-Trend hat in den letzten zehn Jahren das Problem der Lichtverschmutzung verschärft. Das liegt daran, dass LEDs kurzwelliges (blaues) Licht emittieren. Dadurch kann der Schlaf-Wach-Rhythmus von Menschen und vielen Wildtieren gestört werden.

§ 3 Abs. 2 BlmSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz): (künstliches) Licht, welches auf Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter einwirkt, ist eine Immission. (Also, wenn künstlich, meistens leider eine Lichtverschmutzung.)

Bundesnaturschutzgesetz: NEU seit Juni 2021 – § 41 a – Schutz von Tieren und Pflanzen vor nachteiligen Auswirkungen von Beleuchtungen. (Auch Lichtverschmutzung führt zu Artensterben!)

Das Land Bremen installiert neue Lampen mit max.(?) 3000 Kelvin. – Leider wird dabei oft nicht auf das Lichtspektrum geachtet. Sprich, der schädliche Blauanteil ist noch vorhanden. – Ebenfalls wird die Lichtintensität vernachlässigt. Sie sollte laut wissenschaftlichen Untersuchungen bei Hauptstraßen zwischen 7,5 und 15 Lux und bei Anwohnerstraßen bei max. 3 Lux liegen.

Ergebnisse der Messungen:

Am Zuweg zu den beiden ersten Lampen soll eine baugleiche Lampe repariert werden. Seit sie nicht mehr leuchtet, gedeiht der Kirschbaum im Garten dahinter (Roggenkamp 11 a) prächtig. Und wir, die Bewohner von Haus Nr. 17, deren Schlafzimmer teilweise nicht mehr mit ca. 60 Lux und einem hohen melatoninzerstörenden Blauanteil ausgeleuchtet wird, schlafen erholsamer.

Wir sprechen uns daher gegen eine baugleiche Erneuerung der defekten Lampe aus. Wie die vergangenen Monate gezeigt haben, ist aus unserer Sicht diese Lampe nicht notwendig. Wünschenswert dagegen wäre die Umrüstung der vorhandenen Lampen mit Leuchtmitteln, die eine geringere Farbtemperatur und keinen Blauanteil haben.

Die Messungen und der Brief an die Nachbarschaft:

Anette und Wolfgang Lennarz – Dark Sky Nord – Bremen und Umzu

Sternwarten haben es nicht leicht.

Sternwarten und der Wunsch der AmateurastronomInnen den Wert des Weltkulturerbes den Menschen zu vermitteln, werden oft als ‘Hobby’ betrachtet.

Dann wird die Lichtverschmutzung – ALAN (artificial light at night) – oft ‘nur’ als eine störende Randerscheinung und als ein ‘Hobbyproblem’ gesehen.

Sternwarten haben es wie gesagt nicht leicht. Auch die Volkssternwarte in Langwedel nicht.

Aber sie können etwas unternehmen: sie können die Bevölkerung umfassend informieren.

Das geschah am 24. September 2022, ein Sonnabend, in Daverden im wunderschönen Küsterhaus.

Die Volkssternwarte Langwedel e. V. zusammen mit der Dark Sky Nord – Bremen und Umzu lud die Bürgerinnen und Bürger zu einem Informationstag zum Thema Lichtverschmutzung ein.

Mario Sonka, Andreas Kaczmarek und viele fleißige Herlfer der Volkssternwarte bereiteten diesen Tag vor. Karin Dörpmund, Referentin, führte die ZuhörerInnen und ZuschauerInnen in zwei Präsentationen in die Welt der Lichtverschmutzung ein. Der erste Vortrag richtete sich an Jugendliche, der zweite an Erwachsene und Entscheidungsträger.

Der britische Fotograf, Jeremy Knowles, z. Z. lebt er in Berlin, dokumentierte den Informationstag. Sein Projekt hat zum Ziel, die Akteure, die die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich ALAN vorantreiben, in ihrer Arbeit fotografisch als Zeitdokument festzuhalten.

Werbeplakat der Sternwarte Langwedel e. V.

Viele Themen wurden präsentiert:

Was ist Licht? – Die Geschichte der nächtlichen Beleuchtung – Der Einfluss auf die Biodiversität (Insekten, Vögel, Säugetiere, Bäume) – Sicherheit und die bestehende Gesetzeslage – Beleuchtungsbeispiele – die Resourcen- und Energiebilanz – Gesundheit.

Und viele Fragen wurden aufgeworfen und Gedanken diskutiert:

Können wir etwas unternehmen, wenn der Nachbar mich mit seiner nächtlichen Beleuchtung stört? – Warum ist das Thema noch nicht bis zu den Entscheidungsträgern durchgedrungen? – Wieso wird auf der politischen Ebene außer in Zeiten der Energiekrise über das Abschalten der nächtlichen Beleuchtung nachgedacht, aber nicht aus Gründen der Nachhaltigkeit, sondern nur der Energieeffizienz wegen? – Wie können Entscheidungsträger von firmenunabhängigen Beratern entsprechend der jeweiligen Beleuchtungsnotwendigkeiten beraten werden? – Warum wird behauptet, dass bestimmte DIN-Normen bindend seien? – Die Verflechtungen in der Tier- und Pflanzenwelt und natürlich auch die Auswirkungen auf den Menschen waren noch nicht bekannt. – Das Thema Licht und Spektren waren für viele TeilnehmerInnen wenig bekannt.

Eine entscheidende Frage stellte sich natürlich für die Volkssternwarte selbst:

Wie kann die Vermittlung des Wissens um unser Weltkulturerbe stattfinden, wenn die künstliche Beleuchtung in der eigenen Region ständig zunimmt und die Erkenntnis, dass Lichtverschmutzung diese wertvolle Arbeit massiv einschränkt, noch nicht im Bewusstsein angekommen ist? Wie diplomatisch sollten wir vorgehen, aber auch: wie können wir deutlich machen, dass ALAN kein nebensächliches Problem ist? Das bezieht sich auf die schlecht abgeschirmte Beleuchtung von Fußwegen auf dem Gelände zu den Teleskopkuppeln, aber gerade auch auf sog ‘worst cases’. Als Beispiel diente das Auslieferungslager von Amazon. Auf der Rückfahrt nach Bremen konnten wir, Mario und Karin, uns über die Lichtflut, die nachts weit über das Firmengelände hinausscheint, selbst überzeugen. Und es stellten sich unwiderbringlich die Fragen: Welchem Zweck soll diese Flutlichtanlage dienen? Finden Aspekte der adäquaten, d. h. situationsangepassten Beleuchtung bereits in den Baugenehmigungsverfahren Beachtung? Und vor allem: Welche Mittel stehen uns zur Verfügung, Amazon zu veranlassen, die Beleuchtung zu reduzieren?

Resümee:

Neugierde macht mutig. Wie funktioniert das Spektrometer? Was ist Ra? Was ist Farbtemperatur? Was ist Lux?

Ein weiterer Tag in einem gut gefüllten Raum bei Kaffee und Kuchen an dem sehr interessierte Menschen an ein, wie Mario, Andreas und ich wieder bemerkten, unbekanntes und unterschätztes Umweltproblem herangeführt wurden.

Ein weiterer Tag an dem Fragen aufgeworfen wurden, auf die uns die Politik und die Entscheidungsträger (noch) keine Antworten geben können.

Und ein weiterer Tag an dem das Engagement sich für die natürliche Nacht als unser wertvolles Gut und Weltkulturerbe einzusetzen, gerade auch bei den jüngeren TeilnehmerInnen Aufmerksamkeit erweckte. Ein Spektrometer in die Hand zu nehmen und selbst an einem LED-Tableau mit 5.000-4.000-3.000-Kelvin und einer amberfarbenen Lampe zu erfahren, was ein Blaupik ist und wieviel Ra und Lux das Leuchtmittel erzeugt, macht die Theorie, die in der Präsentation vermittelt wurde, erfahrbar.    

Impressionen:

Das Spektrogramm verdeutlicht das Gesagte

Jeremy Knowles Feedback auf LinkedIn und auf seiner Homepage

A couple of weekends back, I attended a community meeting in Langwedel (just east of Bremen) organised by Dark Sky Nord – a small group of individuals working in their free time to inform people about the effects of artificial light at night. The aims of the meeting were simple: to educate the community in Langwedel about light pollution and spark debate.

One of my key research tasks over the summer was to find areas of the country that are at the forefront of light pollution discourse, campaigns and activism. I wanted to find the places that are struggling for change and, early on in my search, Dark Sky Nord appeared as a group I should be in contact with. I was told that the few members of Dark Sky Nord tirelessly fight local municipalities in Bremen and surrounding towns for light pollution in Germany to be taken seriously.

Karin Cornelia Dörpmund is one of the founding members and she knows how to engage a crowd. Several times during her presentation, exclamations of “oh Gott” and “nein” could be heard coming from attendees as they learned for the first time about the serious effects of light pollution on the environment, local wildlife, and on human health and wellbeing. Meetings like this play a vital role in getting the message across, if only to inform a group of people who might not have otherwise been exposed to the concept of light pollution.

I’m completely honoured to have been invited as a guest member of Dark Sky Nord. You can keep up to date with future workshops, meetings and presentations.

Der Petitionsausschuss beriet unsere Petition [Aktenzeichen: L20-520 (Minimierung der Lichtverschmutzung]) in einer öffentlichen Sitzung am Freitag, dem 9. September 2022 im Haus der Bremischen Bürgerschaft. Als Petenten erhielten Karin Dörpmund und Marcus Leuthäuser die Gelegenheit, die Dringlichkeit der Reduzierung der Lichtverschmutzung im allgemeinen und besonders die Reduzierung der Lichtintensitäten und der Farbtemperaturen in der Sitzung mündlich vorzutragen.

Die jeweiligen Ressorts erhielten auch die Gelegenheit, in der Sitzung zu unserer Petition Stellung zu nehmen. Die Senatorin Frau Maike Schäfer war nicht zugegen.

Aus dem Antwortschreiben der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau vom 08. August 2022 geht hervor, welche Schritte bereits umgesetzt wurden bzw. werden:

“In Bremen werden seit Jahren umfangreiche Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung unternommen:

  • Erneuerung alter konventioneller Leuchten gegen LED-Leuchten mit gerichtetem Licht
  • Reduzierung der Leistung von LED-Leuchten um 50% in den Nachtstunden.
  • Einsatz von LED-Leuchten mit einer Lichtfarbe von maximal 3.000 K.
  • Alle in Bremen eingesetzten technischen Leuchten senden kein Licht in den oberen Halbraum aus (ULOR=0).
  • Der Lichtstrom neuer LED-Leuchten wird im Vergleich zu den alten konventionellen in der Regel etwa halbiert
  • Reduzierung der Lichtpunkthöhen bei Neubau und Erneuerung.
  • Durchführung von Pilotprojekten der bedarfsgerechten Beleuchtung.
  • Rückbau kompletter Beleuchtungsanlagen (z.B. Nordwestknoten, A270 etc.)”

Die angeführten Punkte, die in dem Antwortschreiben genannt wurden, beantworten die Fragen nach der Dringlichkeit, die Lichtverschmutzung in Bremen und dem Umland zu reduzieren, nur ansatzweise und es bedarf z. B. auch den Einbezug einer umweltgerechten Lichtplanung in Baugenehmigungsverfahren (Stichwort: Lichtplanung auch im Hinblick von §41a des Bundesnaturschutzgesetzes bzw in Vorbereitung darauf). Viele Fragen konnten auf der Sitzung nicht beantwortet werden.

Fazit:

Unsere Petition hat insofern Erfolge gezeigt, weil ALAN verstärkt in die Diskussion auf der Ebene der Entscheidungsträger gehoben wurde.

Leider werden die Umrüstungen weiter fortgesetzt und Bremen in den kommenden zwei bis drei Jahren ca. 19.000 LEDs bescheren, die angeblich insektenfreundlich sein soll (Warm-weißes Licht zwecks Insektenschutz, Quelle: Bremennews Artikel: Bremen rüstet 19.000 Lampen auf LED um).

Auch steht immer wieder fast hauptsächlich die Energieeffizienz im Vordergrund und höhere Investitionen in hochwertigere Beleuchtungsanlagen, deren Auswirkungen auf die Gesundheit und die Biodiversität erst in einigen Jahrzehnten zum Tragen kommen, werden als zu kostspielig bewertet, obwohl der Verlust der Gesundheit und der Biodiversität sich unseren Kalkulationsmodellen entzieht.  

Marcus und Karin beim verdienten Kaffee

Eine Woche später wurden wir gebeten, unsere unbeantworteten Fragen zusammenfassend an den Petitionsausschuss zu senden.

Dies sind die Themen, zu denen wir eine Stellungnahme erwarten. Wir erlaubten es uns, Hinweise zu Quellen zu geben und unsere Sicht auf die Problemlage deutlich zu machen (kursiv).

Sitzung des Petitionsausschusses am 9. September 2022 – Aktenzeichen: L 20/520

Aus dem Antwortschreiben der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau vom 08. August 2022 geht hervor, welche Schritte bereits umgesetzt wurden bzw werden.

Mehrere Punkte, die in dem Antwortschreiben genannt wurden, erschlossen sich nicht und konnten auf der Sitzung auch nicht bantwortet werden.

Um welche ‘Beleuchtungspflicht’ handelt es sich?

In Deutschland besteht keine allgemeine Beleuchtungspflicht im öffentlichen Raum. Ausnahmen bilden Fußgängerüberwege (nach §26 StVO ist Beleuchtung eine Voraussetzung zu deren Errichtung). Da Verkehrsmittel mit einer Beleuchtung ausgestattet sind, dürfte eine Gehwegbeleuchtung oftmals ausreichend sein. Aus der Verkehrssicherungspflicht folgt keine allgemeine, flächendeckende und dauerhafte Beleuchtungspflicht. Grundsätzlich und bei Vorliegen einer konkreten Gefahrenstelle sollten zunächst Alternativen ohne zusätzliche Beleuchtung geprüft werden wie z.B. bauliche Maßnahmen oder passive Schutzmaßnahmen, wie die Erwägung möglicher Wegalternative und baulicher Anpassung,

Wie wurden die ‘Anliegerwünsche’ ermittelt?

Öffentlichtkeitsarbeit zum Thema ALAN ist uns in Bremen nicht bekannt. Dies wird z.Z. von der Dark Sky Nord ehrenamtlich geleistet.

Um welche bei der Beleuchtungsplanung angeführten ‘technischen und politischen Vorgaben’ handelt es sich?

Wiederum wurde eine ‘DIN-Konformität’ genannt, ohne dass die DIN definiert wurde. Um welche DIN handelt es sich? – In diesem Zusammenhang wurde die Aufrechterhaltung der ‘Verkehrssicherheit’ angeführt.

Für die Planung der Straßenbeleuchtung werden oft Normen herangezogen, die jedoch als Industrienorm DIN EN 13201 keine gesetzliche Regelung darstellen, und weder Beleuchtung einfordern noch Reduzierungen und Abschaltungen ausschließen. Besonders bei zu hoch angelegten Ansprüchen an Gleichmäßigkeit kann normgerechte Beleuchtung zu einer Steigerung des Beleuchtungsniveaus führen. Da Zeiten hoher Verkehrsfrequenz andere Leuchtdichten/Beleuchtungsstärken als späte Abendstunden erfordern und sowohl die Neufassung der DIN 13201-1 als auch die Förderstellen bei Inanspruchnahme öffentlicher Mittel die Anpassung der Beleuchtung an unterschiedliche Verkehrsdichten vorsehen, sind deutliche Reduzierungen bis hin zur Abschaltung anzustreben, um eine energie- und ressourcensparende Anwendung der Norm zu gewährleisten. – Auf der B 75 und der Huchtinger Heerstraße hat die Umrüstung auf 3000 Kelvin LEDs zu Blendung geführt und ist der Verkehrssicherheit eher abträglich.

Grünanlagen: hier wurde behauptet, dass in ‘gering frequentierte Grünanlagen und Wege’ Beleuchtungsreduzierungen vorgenommen werden und dass ‘grundsätzlich sollen in Bremen Wege in Grünanlagen nicht beleuchtet werden’. Wie wurde dies ermittelt?

Der Bremer Bürgerpark ist teilweise beleuchtet und auch am Knoops Park wurden sogar Beleuchtungskörper mit 4000 Kelvin gemessen. Ob und wann gemessen wurde, wie viel die Grünanlagen frequentiert werden, konnte nicht beantwortet werden.

Auch gibt es seit Juni 2021 den § 41a des Bundesnaturschutzgesetzes. Wie wird dem jetzt schon entsprochen, gerade auch in aquatischen Bereichen (Weser)?

Seit 2020 werden in Bremen ausschließlich LED-Leuchten mit einer Lichtfarbe von maximal 3000 Kelvin eingesetzt. Gibt es ein Kataster, dass die Beleuchtungsverteilung dokumentiert und die ‘Notwendigkeit’ die hohe Farbtemperatur einzusetzen, rechtfertigt? Wo wird weniger – z. B. Amber – eingesetzt?

Der Blauanteil ist bei LEDs mit 3000 Kelvin zu hoch. Insekten reagieren empfindlich auf kurzwelliges Licht (von blau bis grün, einige reagieren sogar auf den roten Bereich des Spektrums) in der Nacht, weshalb es deutlich zu reduzieren ist, weil es in die Morgenstunden gehört. Deshalb muss der Begriff ‚insektenfreundlich‘ infrage gestellt werden, denn das sensitive Stadium der Insekten kann bis zu ca 550 nm reichen. Die drei Parameter: Beleuchtungsstärke, Lichtgeometrie und Lichtfarbe müssen immer zusammenspielen, wenn ein effektiver Insektenschutz angestrebt wird. Deshalb ist eine Abkehr von 3000 Kelvin anzustreben und zu Lichtfarben, die im Amber liegen vorzuziehen (Einsatz von Filtern – Rosco) bzw die Beleuchtung ganz auszuschalten (Lichtmasten mit der roten Kennzeichnung.

Immer wieder wird gern auf die ‘öffentliche Sicherheit und Ordnung’ verwiesen, die angeblich nur durch hohe Lichtintensitäten und Farbtemperaturen erzielt werden kann. Angeblich gibt es Befragungen, so wurde während der Diskussion behauptet, die belegen sollen, dass ‘mehr Licht’ mit ‘mehr Sicherheit’ gleichzusetzen sei und dass besonders Frauen dieses einfordern. Wann und in welcher Form haben diese Befragungen stattgefunden? Wir bitten um Angabe der Quellenlage. Auch inwiefern Kriminalstatistiken hinzugezogen wurden.

Da es keine Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Lichtverschmutzung in Bremen gibt, soweit es den Mitgliedern der Dark Sky Nord bekannt ist, müssen solche Aussagen angezweifelt werden. Viele Untersuchungen z. B. auch der Kriminologin Dunja Storp nennen andere Ergebnisse.

Bei den folgenden Erläuterungen und Quellen beziehe ich mich auf Sabine Frank vom Biosphärenreservat Rhön. > Ein Zusammenhang zwischen Licht und Sicherheit (=weniger Kriminalität bzw. Verkehrsunfälle) ist nicht nachgewiesen: siehe Polizeistatistiken, siehe Untersuchungen wie http://jech.bmj.com/content/early/2015/07/08/jech-2015-206012.full; siehe Kommunen, die seit vielen Jahren die Beleuchtung abschalten wie z.B. Staufenberg, Ebersburg, Buseck, Tann (Rhön). In Frankreich schalten 1/3 aller Kommunen die öffentliche Beleuchtung nachts selbstverständlich ab! Die Planungsgruppe Stadt und Verkehr (FGS) für das Berliner Lichtkonzept (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2011 kam zu dem Ergebnis “Öffentliche Beleuchtung, soziale und öffentliche Sicherheit gehen nicht wie erwartet zusammen. Dunkle Orte weisen nicht mehr Zwischenfälle auf als hell beleuchtete, obwohl das Gefühl etwas anderes sagt.” FSG Berlin https://www.fgsberlin.de/projekt-verkehrsforschung-einzelansicht/verkehrsforschung-beleuchtung-und-sicherheit. Auch die im August 2022 erschienene Publikation „Kriminalitätsfurcht und wahrgenommene Kriminalitätsentwicklung“ des  Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e.V. (TU Chemnitz) W1_PaWaKS_Kriminalitaetsfurcht.pdf (zkfs.de) kommt zu dem Schluss, dass „kein Zusammenhang zwischen tatsächlicher Kriminalitätsentwicklung und der subjektiven Wahrnehmung der Kriminalitätsentwicklung“ besteht und statuiert, dass „eine erhöhte Kriminalitätsfurcht mit hohen individuellen und gesellschaftlichen Kosten verbunden ist positiv mit Verschwörungsmentalität oder einem individuell gesteigerten Schutz- und Vermeidungsverhalten korreliert“. Als Ursache wird des Weiteren der Medienkonsum (Krimis) angeführt. In gleicher Publikation finden Sie den Verweis zur Polizeistatistik und Informationen zu Kriminalitätszahlen, die seit Jahren im Bereich der Gewalt im öffentlichen Bereich rückläufig sind. Auch Einbrüche sind seit Jahren rückläufig.

Deshalb können wir zusammenfassen, dass Angstgefühle sich grundsätzlich bei Aufenthalten allein außerhalb der sozialen Kontrolle einstellen. Der abgelegene Waldweg am Tag unterscheidet sich dabei nicht von Wegen bei Nacht, ob beleuchtet oder nicht. Hier kommt zum Tragen, dass man sich schutzlos fühlt. Schon zu Zweit reduziert sich das unangenehme Gefühl, ob am Tage oder in der Nacht. Es wird fälschlicherweise nicht unterschieden zwischen Sicherheit und Schutz. Licht kann Sicherheit suggerieren, wo gar kein Schutz vorhanden ist, da man in Bereiche außerhalb der sozialen Kontrolle „gelockt“ wird. Kunstlicht kann „Laufstegeffekte“ hervorrufen. D.h., man läuft in einem Lichttunnel (rechts und links ist die Sehfähigkeit durch starke Kontraste herabgesenkt). Dies ist besonders der Fall z.B. bei mitlaufendem Licht oder zu hellen Lichtquellen in sonst dunklerer Umgebung. Von Gewalt im öffentlichen Raum sind hauptsächlich Männer betroffen (Alkohol?!). Frauen erleiden Gewalt größtenteils im Privatbereich.

Laut TAB-Bericht gibt es mehr Unfälle durch Kollisionen mit Leuchtenmasten als ohne Licht.

Wir haben eine Interviewanfrage von Radio Bremen Zwei bekommen und sie am 24.09.2022 auch wahrgenommen.

Vielen Dank an Radio Bremen an dieser Stelle für die Bereitstellung eines Mitschnitts, damit wir ihn euch zum Anhören bereitstellen können.

Strom sparen – Nicht nur in Delmenhorst Fehlanzeige – Lichtverschmutzung ist hoch – Live-Tel Karin Dörpmund

Thema: Strom sparen? Nicht nur in Delmenhorst Fehlanzeige. Lichtverschmutzung ist hoch | Live-Telefonat mit Karin Dörpmund
Wortlänge: 5´30
Moderation: Julian Beyer
Gesendet: Samstag, 24.09.2022 um 09.45 Uhr auf Bremen Zwei

Mit freundlicher Genehmigung von Radio Bremen

Am Dienstag, den 6. September 2022 luden Elisabeth Woesner (NABU-Schmetterlings-AG) und die Dark Sky Nord – Bremen und Umzu – Initiative für nachhaltige Außenbeleuchtung zu einem Vortrag im Schlauen Haus, Schlossplatz 16 in Oldenburg ein.

Karin Dörpmund und Marcus Leuthäuser vermittelten grundlegende Informationen zum Thema Lichtverschmutzung und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit, Biodiversität (u. a. auch das Wattenmeer), Sicherheitsaspekte, Gesetzesgrundlagen und machten Vorschläge für einen umweltfreundlichen Einsatz von Leuchtmitteln.

Besonders konzentrierten sich Fragen auf den Bereich der spektralen Empfindlichkeit von Insekten und welches Spektrum letztendlich noch für eine Beleuchtung in der Nacht adäquat sei. Dass das kurzwellige Licht (von blau bis grün) in der Nacht zu reduzieren sei, weil es in die Morgenstunden gehört, stellte den Begriff ‚insektenfreundlich‘ infrage, denn das sensitive Stadium der Insekten kann bis zu ca 550 nm reichen. Die drei Parameter: Beleuchtungsstärke, Lichtgeometrie und Lichtfarbe müssen immer zusammenspielen, wenn ein effektiver Insektenschutz angestrebt wird.

Diskutiert wurden auch Fragen der Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben und die Vorteile, die Kommunen, Städte und Gemeinden haben, weil es eben keine gesetzliche Beleuchtungspflicht gibt.

Tief im Teufelsmoor befinden sich noch einige in Niedersachsen selten gewordene Orte: Orte, an denen es nachts noch (fast) „ganz dunkel“ wird. So dunkel, dass man mit bloßem Auge die Milchstraße erkennen kann. Diese Orte sind in „Speckgürtelgemeinden“ wie Ritterhude und Metropolregionen wie Bremen ausgestorben, diese liegen unter sogenannten „Lichtglocken“.

Durch die immer billiger werdende Lichttechnik (LED) nimmt die (Dauer) Beleuchtung auch im Privaten, z.B. in Gärten, rasant weiter zu. Hinzu kommt fehlgeleitete Beleuchtung, wie „Streulicht“ von Straßen- oder Hauslaternen, unnötige Dauerbeleuchtung öffentlicher Gebäude, grelle Werbemittel und schädliche „Lichtfarben“.

Diese sogenannte „Lichtverschmutzung“ hat weitreichende Auswirkungen. Der weitestgehend ungesteuerte Einsatz von Kunstlicht hat einen großen Einfluss auf die Biodiversität. Das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen gerät aus dem Takt. Jeden Sommer sterben rund 100 Milliarden Insekten an Straßenlaternen. Vögel brüten früher und singen nachts. Schlafplätze von Tieren in Büschen und Bäumen werden beleuchtet. Zugvögel werden in der Orientierung gestört. Menschen schlafen schlechter. 

Sparsameres und gezielter eingesetztes Kunstlicht birgt ein großes und bisher ungenutztes Energiespar- und damit Klimaschutzpotential. Rd. 9 Millionen Straßenleuchten inkl. Plätzen und Gebäuden erzeugten 2009 in Deutschland rd. zwei Millionen Tonnen CO2. Von diesem Licht wurde rund ein Drittel fehlgeleitet, und hätte bei gezieltem Einsatz eingespart werden können.

Zu beachten sind bei der Lichtsteuerung jedoch auch die Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung und des Straßenverkehrs oder nachtarbeitender Betriebe und Arbeitnehmer:innen. 

Der „Schutz der Nacht“ ist daher ein wichtiges Zukunftsthema mit ganz vielfältigen Aspekten. Jeder Einzelne kann mit einfachen Maßnahmen (z.B. Bewegungsmelder, Abschalten in der tiefen Nacht) jedoch bereits einen Beitrag zur Verbesserung leisten. Im Zuge der Energiekrise werden aktuell auch bereits erste Schritte, jedoch aus anderen Gründen, unternommen.“

Aus der Pressemitteilung des SPD-Ortsvereins Ritterhude vom 14.08.2022

Die Dark Sky Nord – Bremen und Umzu erhielt am 31.08.2022 die Gelegenheit, zu einigen der Querschnittsthemen (Biodiversität, Gesetzeslage, Beleuchtungstechnik, Sicherheit und Gesundheit) auf der Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereins Ritterhude (Ankündigung im Weser Kurier) zu der Frau Anissa Müller Florindo eingeladen hatte, zu informieren. Sie ist seit 2017 Mitglied der SPD, seit 2020 Vorsitzende und Sprecherin des Vorstandsteams und … Amateurastronomin. Die Errichtung eines Supermarktes, die gefallenen Preise für LEDs und die Unkenntnis der Bevölkerung über die Auswirkungen der Lichtverschmutzung machen auch ihr, genauso wie allen AstronomInnen, schwer das Weltkulturerbe zu pflegen.

Außerdem, so teilte Frau Müller Florindo uns mit, macht im Landkreis Osterholz-Scharmbeck eine Initiative namens ‘Naturpark Teufelsmoor’ sich für den Erhalt der letzten ‘dunklen Flecken’ stark, auch wenn die Einrichtung eines Dark Sky Reserve aufgrund der Nähe Bremens mit seiner hohen Lichtverschmutzung zur Zeit wohl noch ein Wunschtraum ist.

Aber bekannterweise können Träume wahr werden.

Ein erster Schritt ist die Information zu dem Thema ALAN und die Kommunikation. Anette Lennarz und ich konnten am letzten Mittwoch einen Grundstein legen, um weitere Projekte anzustoßen. U. a. durften wir Frau Lena Rebenstorff (Vorsitzende SPD Ortsverein Ritterhude und stellv. Fraktionsvorsitzende und Ratsfrau Ritterhude), den SPD Landtagskandidat Osterholz-Scharmbeck, Herrn Frederik Burdorf, Herrn Youri Steeneck (Jungsozialisten in Deutschland, auch Kreistag OHZ) und die Kreistagsabgeordnete Frau Birgit Borow unter den Zuhörenden begrüßen. Die Themen des Vortrags trafen auf viel Resonanz und luden zu einer zielführenden Diskussion ein. Auch die Möglichkeit, die Lichttemperaturen vier verschiedener LEDs per Spektrometer zu ‘erfahren’, dienten als Anschauungsbeispiele.

Die Dark Sky Nord – Bremen und Umzu freut sich auf die weitere Zusammenarbeit und vielleicht auch den Beginn eines gemeinsamen Projekts in Richtung “Dark Sky Reserves – Teufelsmoor”.  

von Links nach Rechts: Frau Lena Rebenstorff, Fau Anissa Müller Florindo, Karin Dörpmund und Anette Lennarz.